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Bild 1: Kapelle mit Kreuzigungsgruppe heute


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Bild 2: Heiligenhäuschen und Josefskapelle vor 1903


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Bild 3: Originalentwurf Wandmalerei
 

Kreuzigungsgruppe

vis à vis Hauptstraße 80, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler      Google Maps
 
aus dem Archiv von Hans-Jürgen Ritter
 
Am Anfang der Jesuitenstraße, Ecke Hauptstraße, steht eine nach Abriss der Josefskapelle 1904 hier erbaute neuromanische Kapelle. Sie nahm die Kreuzigungsgruppe auf, die aus einem alten Heiligenhäuschen von 1536 stammt. Dieses Heiligenhäuschen befand sich auf der gegenüberliegenden Seite der Hauptstraße und ragte störend in die Straße hinein. Es wurde deshalb 1903 abgerissen. Am Fuße des Kreuzes stehen Maria und Johannes und beweinen den Tod Jesu. Der Kreuzsockel trägt einen Totenkopf. Der Sockel der Marienfigur zeigt das kurkölnische Wappen, da der jeweilige Erzbischof von Köln von 1382 bis 1456 zur Hälfte Mitregent in der Grafschaft Neuenahr war. Das Wappen der Johannesfigur trägt einen Löwen, das Wappentier des Herzogs von Jülich, der auch Mitregent in der Grafschaft war.
 
Diese gewaltige Kreuzigungsgruppe dokumentierte durch ihren Standort in der Nähe des Verwaltungssitzes der Grafschaft deren Zweiherrigkeit. Der starke religiöse Gehalt dieser Gruppe mag im Zeitalter der Glaubenskämpfe, in die auch Kurköln und das Herzogtum Jülich verwickelt waren, symbolisieren, dass beide Regenten am katholischen Glauben festhalten wollen.
 
Die Sockelinschriften lauten: O Jhs son myn war lestu dye moder dyn. Do sprach Jhs Johs lieb neiff my ich bevillen Dir die moder myn. (O Jesus warum verläßt du die Mutter dein. Da sprach Jesus Johannes lieber Neffe mein ich befehle dir die Mutter mein)
 
Über die Herkunft der Gruppe, die nicht so recht in das kleine Heiligenhäuschen passte und vielleicht ursprünglich einen anderen Standort hatte und während der Religionswirren nach hier in Sicherheit gebracht wurde, und deren Schöpfer ist nichts bekannt.
 
Die Rückwand der Kreuzigungskapelle zeigt ein Gemälde des Himmlischen Jerusalem, der heiligen Stadt aus der Offenbarung des Johannes. Hier ist besonders der „Strom des lebendigen Wassers“ dargestellt, auf dem sich die Seelen der Verstorbenen in Booten treiben lassen.
 
Beschreibung Bild 2 / Heiligenhäuschen und Josephskapelle vor 1903:
Eine Totalaufnahme der Kreuzung Haupt-, Berg- und Jesuitenstraße 1896-1904 stellt uns die Situation aus einem überraschenden Blickwinkel dar: Wir blicken aus einer Dachluke (?) des Hotels Zur Traube in östlicher Richtung. Am rechten Bildrand die Häuser Witsch (mit Kamin) und Metzgerei Kohlhaas (mit Dachgaube). Noch beherrscht die 1626 erbaute Josefskapelle die Gabelung der Jesuitenstraße (1904 abgerissen).Es folgen die Hotels Kaiserhof und Hof von Holland, heute der Komplex des Kaufhauses Moses.
 
Am linken Bildrand die markante Front des Hauses Wagner, so wie sie heute noch zu bewundern ist mit der überdachten Straßenveranda. Schmiedeeiserne Gitter und eine Stuckbrüstung lenken den Blick auf sich. Der mächtige stuckverzierte Giebel kündet vom Besitzerstolz des Erbauers, Hauptlehrer Wagner. Das neuromanische Rathaus, 1895-1896 erbaut, wird von einem gewaltigen Eckturm beherrscht. Aus dem etwas kleiner ausgefallenen Eckturm des Hotels Bonn zur Krone hatte man einen vorwitzigen Blick auf das Verkehrsgewimmel der Hauptstraße.
 
Das 1536 erbaute und 1903 abgerissene Heiligenhäuschen beherbergte die Kreuzigungsgruppe, die sich jetzt in der neuromanischen Kapelle gegenüber an der Stelle der Josefskapelle befindet. Es ist deutlich zu erkennen, dass dieses Häuschen dem Verkehrsfluss im Wege stand.
 
Beschreibung Bild 3 / Originalentwurf des Wandgemäldes:
Diese Hintergrundmalerei der Kapelle stammt von Malermeister Heinrich Kurth. Wir sehen hier den Originalentwurf. Malermeister Kurth stiftete die Malerei im Jahr 1946 aus Dankbarkeit, weil beide Söhne, Heinz und Erich Kurth, den Krieg überlebten. Ulrike Corfei geb. Kurth überließ den Originalentwurf Horst Felten zu treuen Händen in sein Archiv.
 
Josef von Nazareth war der Bräutigam der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria und der väterliche Beschützer des Jesuskindes, der dem menschgewordenen Sohne Gottes gegenüber auf Erden die Vaterstelle vertrat. Josef stammte aus dem Geschlecht des König Davids (Mt 1,1-16) und lebte als Zimmermann in Nazareth. Er war mit Maria verlobt. Als Maria schwanger wurde, wollte er sich gemäß dem Gesetz von ihr trennen. Ein Engel Gottes teilte ihm in einer Erscheinung mit, dass das Kind vom Heiligen Geist gezeugt sei. Er nahm im Vertrauen darauf Maria ohne Einwände und Bedenken zur Frau.